Die zweite Runde
Anders als die erste Runde hatte die zweite Runde doch ein paar mehr Überraschungen zu bieten. Die zweite Runde wurde an zwei Abenden mit jeweils vier Spielen ausgetragen und dreizehn gesetzte sowie drei ungesetzte Spieler traten zu ihr an.
Den ersten Abend verbrachte ich noch zuhause, am zweiten Abend war ich dann live vor dabei - es ist schon ein Unterschied, wenn man sozusagen mittendrin ist und die Atmosphäre vor Ort ist bei jedem Sport ein wichtiger Teil der Erfahrung.
Im ersten Zweitrundenspiel standen Jonny Clayton und Gary Anderson am Oche - beide hatten in der ersten Runde überzeugt. Nachdem Jonny Clayton mit einer 4:1 Führung in die erste Pause gegangen war, drehte sich das Spiel nach der Pause vollkommen und Anderson dominierte. Er konnte zur Begeisterung des Publikums mit 11:7 gewinnen und zog völlig verdient in die Viertelfinale ein.

Es folgte ein rein niederländisches Spiel zwischen Michael van Gerwen, der ja das World Matchplay zu seinen besten Zeiten drei Mal gewinnen konnte, gegen Dirk van Duijvenbode, einen der ungesetzten Spieler, die noch im Turnier waren. Es war ein hart umkämpftes, packendes Spiel, dass ins Tie-Break ging - schon das zweite Tie-Break Spiel für van Duijvenbode. Van Duijvenbode führte die meiste Zeit des Spiels und konnte auch am Ende dem Druck, den sein stark spielender Landsmann auf ihn ausübte, eher überraschend standhalten und in sein erst zweites Viertelfinale bei diesem Turnier einziehen.
Im dritten Last 16 Spiel trafen zwei Spieler aufeinander, die in der ersten Runde herausragende Vorstellungen gezeigt hatten - Luke Littler und Nathan Aspinall. Gleich im ersten Lag warf Littler einen Neun-Darter und trotz einer guten Vorstellung von Aspinall, der im Spiel ein 170 Finish warf, und obwohl Aspinall keinesfalls aufgab, stand damit der Sieger bereits fest.

Das letzte Spiel des Abends war danach nicht mehr wirklich spannend, zumal Stephen Bunting gegen Josh Rock einen schwachen Auftritt hinlegte und Rock, der selbst nur durchschnittlich unterwegs war, nie wirklich gefährdet war. Vielleicht spielte es auch eine Rolle, dass beide Spieler gut befreundet sind und es daher auch für Rock nicht ganz einfach war. Rock gewann mit 11:6.
Am zweiten Abend der zweiten Runde fanden dann tatsächlich nur drei Spiele wirklich statt. Cameron Menzies bekam im vierten Leg seines Spiels gegen Ross Smith, das den Abend eröffnete, plötzlich große Probleme mit seinem Blutdruck und wurde fast bewusstlos von Callern, Referee und Smith von der Bühne gebracht. Er erholte sich wohl relativ rasch und konnte in seine Unterkunft zurück, auf die Bühne kam er allerdings nicht wieder. Es waren verstörende Bilder, die da live und im Fernsehen zu sehen waren und glücklicherweise sind solche Vorfälle im Dartsport mehr als rar. Hoffen wir, dass sich Menzies, der ja so gut ins Turnier gestartet war, bald erholt.

Inwieweit die anderen Spieler des Abends durch den Vorfall in Mitleidenschaft gezogen wurde, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wurde der Zeitplan, der ja auch sie betraf, etwas durcheinandergebracht und die beiden Niederländer Gian van Veen und Wessel Nijman, die das zweite Spiel bestritten, mussten früher auf die Bühne, als sie es erwartete hatten. Ihrem Spiel war auf jeden Fall nichts anzumerken - es war ein sehr intensiver Schlagabtausch - und van Veen hatte das Spiel zunächst vollkommen unter Kontrolle. Aber Nijman kam mehrmals zurück und glich aus. Als das Spiel ins Tie-Break ging, war noch nicht abzusehen, wer gewinnen würde. Van Veen behielt beeindruckend die Nerven und zog wie im letzten Jahr in die Viertelfinale ein, wo auch mit James Wade wieder der gleiche Gegner auf ihn wartet.

Das vorletzte Spiel der zweiten Runde ließ einem dann Zeit, sich wieder zu beruhigen - Rob Cross fand gegen Gerwyn Price warum auch immer nie wirklich ins Spiel - seine stärkste Phase hatte er vor der ersten Pause als er mit 3:2 in Führung ging. Danach kam nicht mehr viel von ihm, er wirkte noch nicht einmal so, als würde er versuchen sich zu wehren. Price gewann ohne Mühe mit 11:5.
Das letzte Spiel der zweiten Runde war ebenfalls ein ziemlich intensives Spiel, auch wenn es sich wegen des eher behäbigen Wurftempos der beiden Spieler James Wade und Ryan Searle nicht wirklich so anfühlte. Wade geriet im Spiel nie in Rückstand, spielte aber - zumindest wirkte es so - Kräfte sparend und durchgeplant. Er spielte ein paar gute Legs und übernahm die Führung. Dann kam ein paar Legs lang wenig von ihm, bis Searle ihm zu nahe kam oder gar ausglich. Dieses Vorgehen wiederholte sich mehrmals und Wade gewann am Ende mit 11:8 und einem Durchschnitt von knapp unter 100.
Damit war die zweite Runde auch schon zu Ende und mit Dirk van Duijvenbode war tatsächlich immer noch einer von drei ungesetzter Spieler, die die zweite Runde erreicht hatten, im Turnier. Cameron Menzies war ungewollt auf dramatische Weise ausgeschieden und Rob Cross hatte sich überraschend desinteressiert verabschiedet.
erwartet hatte.